|
Frauentöne |
Einen nicht unerheblichen Anteil an ihrer Wiederentdeckung spielt der Kammerchor der Universität Dortmund unter Leitung von Willi Gundlach. Er präsentierte drei bemerkenswerte Produktionen zum Thema Fanny Mendelssohn: Zunächst eine ungemein charmante Kollektion miniaturistischer Chorlieder, Duette und Terzette; dann die Kantaten Hiob und Lobgesang für Soli, Chor und Orchester (die durch die Orgelwerke der Komponistin sowie zwei Kantaten ihres Bruders ergänzt werden); und schließlich als jüngste Einspielung ein Album mit Goethe-Vertonungen, unter denen die Szene aus Goethes Faust II als eine besonders eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der Dichtung des Geheimen Rates zu nennen ist. Der Behauptung, nicht Felix, sondern Fanny habe die Gattung der Lieder ohne Worte erfunden, hat die polnische Pianistin Elzbieta Sternlicht Beweise folgen lassen, als sie die drei frühen Zyklen der jeweils Vier Lieder op. 2, op. 4 und op. 6 für Pianoforte aufnahm. Und prompt muß man an die Liebeserklärung denken, die der Musikwissenschaftler Diether de la Motte zu Fannys 125. Todestag im Jahre 1972 verfaßte: "Sie komponierte interessanter, dramatischer [als Felix], volle unerwarteter Wendungen, harmonisch und rhythmisch raffiniert und klaviertechnisch teuflisch schwer." Diese Einschätzung müßte zwar an jedem einzelnen Stück überprüft werden, sie zeigt aber doch, daß wir es hier keineswegs mit einem "komponierenden Frauenzimmer", sondern mit einer außerordentlichen Begabung des 19. Jahrhunderts zu tun haben. Ähnliches kann man auch von Fannys Altersgenossin Louise Farrenc (1804–1875) sagen, der selbst Robert Schumann sein Lob nicht versagen konnte. Ihr Trio op. 45 für Klavier, Flöte und Violoncello besteht mit Leichtigkeit in dem rein "männlichen" Kontext, den das Trio Cantabile (Christiane Kroeker, Hans-Jörg Wegener und Guido Larisch) für sie ausgewählt hat: Ferdinand Ries, Felix Mendelssohn und Max Bruch bereiten ihrer französischen Kollegin den Weg, den sie mit außerordentlichem Charme beschreitet. Charmant auf ganz eigene Weise ist auch die aktuellste Thorofon-Produktion des vielfach ausgezeichneten Orlando di Lasso-Ensembles: Das Primo libro de madrigali (1644) von Barbara Strozzi, die zu den herausragenden Komponistinnen nicht nur des 17. Jahrhunderts, sondern der älteren Musikgeschichte überhaupt gehört: Fantasievolle Melodik, rhythmische Raffinesse und ein wunderbarer Sinn für vokale Klangmöglichkeiten verraten, daß die Adoptivtochter des Librettisten und Dramatikers Giulio Strozzi den Notensatz nicht nur als häuslichen Zeitvertreib pflegte. Entstanden im mährischen Olmütz, enthält die CD Frauentöne Katalogneuheiten dreier Komponistinnen, die samt und sonders Vorzügliches geleistet haben. Die Heroische Ouvertüre und die symphonische Phantasie nach Ibsens Drama "Brand" von Johanna Müller-Hermann (1868–1941) sind zwei Zeugnisse kraftvollster Spätromantik. Die Irische Symphonie von Mary Dickenson-Auner (1880–1965) beeindruckt durch ihre keltisch-karge Sprache. Und die sechsteilige Ballettmusik Silhouetten von Maria Bach (1898–1978) ist an klanglicher Raffinesse kaum zu überbieten. Ausgeführt werden die Frauentöne von der Mährischen Philharmonie Olmütz unter der Leitung des jungen österreichischen Dirigenten Manfred Müssauer, der auf der britischen Insel den Ruf eines "champion of the Romantic Music" genießt. R. van den Hoogen |
DiscographieFanny Hensel-Mendelssohn Fanny Hensel-Mendelssohn Fanny Hensel-Mendelssohn Fanny Hensel-Mendelssohn Louise Farrenc Barbara Strozzi (1619-1677) Frauentöne |
||
|
Association of Classical Independents
in Germany e.V.
|
|
[ Home ] [ Neuheiten ] [ Label bei CLASS ] [ CLASS-Aktuell ] [ Kataloganforderung ] [ DVD und SACD ] [ Tipps und Tricks ] [ CLASS-Intern ] [ Fachhändler ] Copyright © 1999 CLASS Association of Classical Independents
in Germany e.V.
|